Das ESG Programm - interessiert nicht nur Investoren

02.10.2021

Verantwortung des Unternehmens


Der ökonomische Erfolg, bemessen etwa an Ertrag, Umsatz und Zahl der Beschäftigten, ist längst nicht mehr der alleinige Faktor zur Bewertung eines Unternehmens, für eine wachsende Zahl von Menschen noch nicht einmal der wichtigste. Für sie geht es darum, „wie Geschäfte gemacht werden“, d.h. wie sich das Unternehmen hinsichtlich seines Ressourcenverbrauchs, seiner Lieferkette, seiner Mitarbeiter, seiner Wettbewerber, seiner Kunden und der lokalen Gemeinschaften, in denen es tätig ist, am Markt verhält.
Heutzutage wird von Unternehmen erwartet, dass sie im Bereich der unternehmerischen Verantwortung „mehr tun“ als das nötigste. Ihnen wird eine Sorgfaltspflicht zugeschrieben, wenn es darum geht, die Auswirkungen des eigenen Tuns auf Umwelt und Gesellschaft im Blick zu haben und proaktiv zu steuern. Diese Verantwortung ist generell mit "Corporate Responsability" (CR) gemeint.

Die Erkenntnis, dass den Auswirkungen unternehmerischen Handelns auf Umwelt und Gesellschaft Grenzen gesetzt werden muss, und das fortschreitende Wissen über diese Auswirkungen führen in vielen Bereichen zu immer engeren gesetzlichen Regelungen. Diese hinken jedoch regelmäßig der Entwicklung zeitlich und inhaltlich hinterher, allein ihre Einhaltung genügt den Erwartungen an eine verantwortungsvolle Unternehmensführung nicht mehr.

ESG-Programm


Begriff

Unternehmen einerseits sowie Umwelt und Gesellschaft andererseits beeinflussen sich wechselseitig. So belasten industrielle Produktionen oft die Umwelt; ein steigendes Klimabewusstsein kann das Geschäftsmodell von Fluggesellschaften infrage stellen.
Diese Wechselbeziehung ist nicht nur für die Unternehmensleitung, sondern auch für die Gruppe der sonstigen am Unternehmen Interessierten wie Verbraucher, Investoren, Mitarbeiter, Kreditgeber und Eigentümer ("Stakeholder") relevant. Um die Erwartungen der Interessengruppen zu erfüllen, erfassen immer mehr Unternehmen ihre relevanten Aktivitäten und veröffentlichen entsprechende Reports.

Die Beziehungen zwischen Unternehmen sowie Umwelt und Gesellschaft, die in erster Linie Investoren und Kreditgeber interessieren, werden kurz mit "ESG" bezeichnet. Dieser Terminus aus dem Finanzsektor steht für „Environmental, Social and Governance“. Es geht hierbei um das Management von nichtfinanziellen Risiken aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens ist es essenziell, diese Risiken zu kennen und mit einem entsprechenden Management vorzusorgen.

Aus der Sicht eines (potentiellen) Investors oder Kapitalgebers geht es also darum, dass das Unternehmen die gravierenden Risiken aus dem Bereich ESG identifiziert und ein diese minimierendes Programm aufsetzt. Diese Perspektive wird "outside-in" genannt, denn es geht um Risiken, die von außen auf das Unternehmen einwirken und zu Schäden führen können.

Die ESG-Themen spielen aber auch aus der Sicht der Allgemeinheit eine Rolle, die regulierend eingreifen muss, wenn die Tätigkeit des Unternehmens Schäden für Umwelt und Gesellschaft verursacht. Die Betrachtung der Außenwirkung wird dementsprechend als "inside-out" - Perspektive bezeichnet.

Beide relevanten Perspektiven sollten bei ESG-Maßnahmen berücksichtigt werden.

Für die unabhängige Bewertung einer ESG-Performance erstellen spezialisierte Agenturen aufgrund entsprechender Analysen sog. Ratings. Sie dienen als Information und Entscheidungsgrundlage für die Stakeholder.

Definition und Gewichtung der maßgeblichen Themenfelder

Der erste Schritt zur Erstellung eines ESG Programms besteht darin, relevante (=materielle) Risiken aus diesem Bereich zu identifizieren und zu gewichten. Der Fokus hierfür orientiert sich an der Branche und der Unternehmensausrichtung: ein internationaler, börsennotierter Pharmakonzern (ethisches Marketing, Produktsicherheit, regelkonforme Zusammenarbeit mit Ärzten, etc.) hat andere Themen, als ein regional verwurzeltes Familienunternehmen aus der Maschinenbaubranche (Lieferkette, Arbeitnehmerrechte, Abfallmanagement etc.) oder ein digitales Start-Up (digitale Ethik, Datenschutz, etc.).

Ein einheitlicher Standard für ein ESG-Programm existiert derzeit nicht, es gibt aber Orientierungshilfen, u. a. in Form von

• konkreten gesetzlichen Vorgaben
• internationalen Standards (GRI, SASB Standard, etc)
• Best Practices großer Unternehmen und der öffentlichen Hand
• Leitfäden eines Branchenverbands

Jedes Unternehmen muss für sich herausarbeiten, welche konkreten Felder des weiten Bereiches Umwelt, Soziales und Unternehmensführung in Bezug auf die beiden Blickrichtungen - inside-out und outside-in - maßgeblich sind. (=doppelte Materialitätsanalyse). Eine konkrete Hilfestellung für die Festlegung der zu betrachtenden Punkte bieten beispielsweise die weit verbreiteten GRI Standards, welche für die einzelnen Themengebiete systematisch geordnet darlegen, was zu erfassen ist.

Bestandsaufnahme und Maßnahmen

Mit internen und zumeist auch externen Mitteln wird der Status der identifizierten Themen im Unternehmen differenziert erfasst. Dies setzt voraus, dass u.a. die hierfür jeweils relevanten Indikatoren (Key Performance Indices - KPI) festgelegt werden. Die generellen Themen werden dabei in viele kleine Details zerlegt, um ihren genauen Zustand zutreffend abzubilden. Die erhobenen Daten werden dokumentiert und bilden die Basis sowohl für eine Berichterstattung als auch für die im Rahmen des ESG-Risikomanagements zu ergreifenden Maßnahmen.

Reporting

Entschließt sich das Unternehmen, einen ESG-Bericht zu erstellen, so hat es verschiedene Entscheidungen zu fällen, insbesondere nach welchem Standard sowie in welchem Format (Teil oder Anlage des Lageberichts, separater Bericht) es berichten muss oder möchte. Neben nationalen und internationalen Standards sollen insbesondere europäische Berichtsstandards etabliert werden. Entsprechend dem gewählten Standard hat das Unternehmen auch einen geregelten zyklischen Prozess für die zukünftige periodische Berichterstattung aufzusetzen.

Rating

Bisher gibt es keine Regulierung oder Standardisierung im Bereich ESG-Rating- Methodologien. Die verschiedenen am Markt aktiven Agenturen nutzen verschiedene selbst entwickelte Rating-Ansätze und folglich unterschiedliche Rating-Formate, die kaum vergleichbar sind. Sie agieren mit festgelegten Themenkatalogen, die den Ablauf des Ratings vorgeben. Meistens stellen diese eine Mischung aus allgemeingültigen Themen aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Unternehmungsführung sowie sektor- und branchenspezifischen Themen dar.

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