Warum Whistleblowing?

Viele große Wirtschafts- und Politskandale der letzten Zeit wurden durch Whistleblower aufgedeckt. Sie pfeifen gleichsam, um ein Foul anzuzeigen. Die Presse könnte ohne solche Hinweise ihre Rolle als Wächter von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nicht erfüllen.

Whistleblower (deutsch: Hinweisgeber) sind aber auch im "normalen" Wirtschaftsleben wichtig. Eine Unternehmensleitung kann ihre Augen nicht überall haben. Mitarbeiter beobachten ihr Arbeitsumfeld und registrieren verdächtige Umstände. Ihre Meldungen beinhalten oft sehr wichtige Informationen über ernst zu nehmende Fehlentwicklungen, die ansonsten verborgen blieben. Wertvolle Hinweise kommen manchmal auch von Dritten, z.B. zu Schmiergeldforderungen von Einkäufern. Für brisante Meldungen ist wichtig, dass der Hinweisgeber anonym bleiben kann. Whistleblowing betrifft in der Praxis nicht nur potenzielle Compliance-Fälle, sondern oft auch gute Verbesserungsvorschläge.

Entgegen verbreiteten Bedenken ist Whistleblowing kein Spielfeld für Denunzianten. Die Erfahrungen mit bestehende Hinweisgebersystemen zeigen, dass Meldungen aus unakzeptablen Motiven nicht oft vorkommen.

Whistleblowing-Hotlines, die (auch anonyme) Meldungen erleichtern, sind wegen ihres Nutzens bereits Bestandteil vieler Compliance-Management-Systeme. Zukünftig wird ihre Einrichtung für einen Großteil der Unternehmen und anderen Organisationen in Europa Pflicht sein. Die Umsetzung einer entsprechenden Richtlinie der EU in nationales Recht wird auch in Deutschland den Unternehmen (und anderen Organisationen) mit 250 Beschäftigten oder mehr zwingend vorschreiben, ab 17. Dezember 2021 einen internen Meldeweg einzurichten, der bestimmten Vorgaben genügen muss. Ab dem 17. Dezember 2023 trifft diese Pflicht auch Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten. Es ist sehr zu empfehlen, ein passendes Meldesystem bereits vor dem Inkrafttreten der gesetzlichen Regelung zu installieren.